DIE STADT
 

Obernkirchens Geschichte

Stichwortartig möchten wir Ihnen einige Stationen der wechselvollen Stadtgeschichte vorstellen. Vertiefen können Sie Ihre historischen Informationen zu Obernkirchen bei einer Stadtführung, einer Besichtigung des Stiftes und der Stiftskirche, bei einem Besuch im Berg- und Stadtmuseum oder beim Nachlesen der historischen Fachliteratur die in der Stadtbücherei für Sie bereitgehalten wird.

Alte Bückeburg
ALTE BÜCKEBURG

heißt auch heute noch der Platz, an dem sich die alte sächsische Burganlage, der zentrale Verwaltungsort des Bukkigaus befand. Zur Bückeburg gehörte  eine eigene Kapelle, eine Mühle zu Füßen der Burg im Uhlenbruchtal, das Vorwerk Rösehof und eine kleine Ansiedlung von Kaufleuten und Handwerkern, die Keimzelle des späteren Ortes Obernkirchen. Um 1300 legten die Schaumburger Grafen eine Wasserburg in der Nähe des alten Helweges an und nannten diese Bückeburg, auch um ihren Herrschaftsanspruch in der Region zu dokumentieren. Seitdem führt die Burgruine den Beinamen „Alte“ Bückeburg



Kirche
OVERENKERKEN
der Ortsname geht auf die Klostergründung zurück. Bischof Werner von Minden stammte aus dem Hause der Arnheimer, den Besitzern der Bückeburg. Er schuf 1167 mit dem Kloster die Heimat für eine Gruppe frommer Frauen die sich bettelnd im Orte aufhielten. Sie wurden aufgefordert nach den Regeln der Augustiner zu leben.

Die Stiftskirche „St. Marien“, zeitgleich als romanische Basilika erbaut, lag erheblich höher am Berg als die alte Gokirche in Vehlen und war auch die ranghöhere „Ecclesia principalis“, daher die „overe Kerke“.Von der Basilika steht heute noch das weithin sichtbare, mächtige Westwerk mit den beiden Kirchturmspitzen. Nach einem Brand im 13. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff abgerissen und als gotische Hallenkirche wiederaufgebaut



Kloster
DAS KLOSTER
entwickelte sich rasch, vor allem durch großzügige Schenkungen des Adels und durch kaiserliches Protektorat. 1180 erhielt es auch die „Alte Bückeburg“ mit allem Zubehör. Die Burg war zu diesem Zeitpunkt bereits eine Ruine. So gelangte der ganze Ort mitsamt der Grundherrschaft und der niederen Gerichtsbarkeit in den Einflussbereich des Klosters


Kaiser Friedrich Barbarossa
 

 

KAISER FRIEDRICH BARBAROSSA
verlieh dem Kloster Obernkirchen auf dem Reichstag zu Erfurt 1181 die Marktrechte und begründete damit den ältesten Marktstandort in Schaumburg. Noch heute heißt der traditionelle Herbstjahrmarkt in Obernkirchen deshalb „Barbarossa Markt“.
In Obernkirchen ging nichts ohne – und schon gar nichts gegen das Kloster. Diese Privilegien ließ man sich immer wieder am jeweiligen Kaiserhof bestätigen



Stiftskirche
DIE REFORMATION
brachte den Obernkirchenern endlich auch die langersehnte Befreiung von der Vorherrschaft des Klosters das inzwischen in ein adeliges Fräulein Stift umgewandelt worden war. Gegen die Zahlung von 500 Reichstalern entließ der Schaumburger Graf Otto IV die Obernkirchener Bürger aus der Eigenhörigkeit des Stiftes. Die bürgerliche Selbstverwaltung in Form der Fleckenrechte (1565)  war eine logische Folge


Ratskeller
FÜRST ERNST ZU HOLSTEIN UND SCHAUMBURG
erhob Obernkirchen schließlich 1615 zur Stadt. Natürlich mit strengen Auflagen. Die Misthaufen hatten vor den Häusern zu verschwinden, die Strohdächer waren durch Ziegeldächer zu ersetzen und der Ratskeller musste stets einen trinkbaren Wein vorrätig haben, kurz, man hatte sich "städtisch" zu benehmen


DER DREISSIGJÄHRIGE KRIEG
setzte der unbefestigten Stadt schwer zu. Zwischen den ständig umkämpften Weserfestungen Hameln und Minden gelegen, waren Plünderungen und Kontributionserpressungen durchziehender Truppenteile an der Tagesordnung. Die Pest raffte im Jahre 1626 fast ein Drittel der Bevölkerung hinweg. Am Ende dieses Krieges waren von ehemals 150 bewohnten Häusern 90 verfallen oder von ihren Bewohnern verlassen

EINE HESSISCHE STADT
wurde Obernkirchen infolge der politischen Neuordnung nach dem 30 jährigen Krieg. Schaumburg wurde geteilt in die Grafschaft Schaumburg-Lippe und die hessische Grafschaft Schaumburg. Obernkirchen geriet in eine wirtschaftliche und verkehrstechnische Randlage. Direkt vor den Toren der Stadt die Grenze zu Schaumburg-Lippe, im Rücken der Bückeberg. Übrigens blieb die Stadt bis 1932 bei Hessen

 



DER DREIKLANG
von Sandstein, Kohle und Glas bestimmte über Jahrhunderte das gewerbliche Leben in der Stadt.  Der Sandsteinlagen und die begleitenden Kohleflöze waren die kreidezeitlichen Bodenschätze des Bückeberges und der Schaumburger Mulde. Der Sandstein wurde veredelt und die Kohle sicherte eine Energiegrundlage

Sandsteinbrüche
OBERNKIRCHENER SANDSTEIN
aus den Kammlagen der Bückeberge gewonnen, war schon im Mittelalter ein begehrtes Baumaterial besonders für sakrale Bauten wie Klöster und Kirchen (Mindener Dom). Die Obernkirchener Steinhauer arbeiteten unter der Aufsicht einer klösterlichen Bauhütte


WESERRENAISSANCE
DIE WESERRENAISSANCE
machte die Obernkirchener reich und ihren Sandstein endgültig zum Exportschlager. Auf vielen Baustellen von Burgen, Schlössern oder Rathäusern waren Steinhauermeister und Gesellen aus Obernkirchen zu finden. Über den Transportweg Weser gelangte der Sandstein als „Bremer Stein“ nach Holland und in den ganzen Ostseeraum.
Bis weit in das 19. Jahrhundert blieb die Steinhauerei der dominierende Berufszweig in Obernkirchen und die Steinhauermeister die Elite der Stadt


Bergmannsuniform
STEINKOHLENBERGBAU
in den Bückebergen findet schon im fünfzehnten Jahrhundert statt; 1498 rechnet Propst Dorigelo mit seinen "Kohlenbrechern" ab.  Als begehrte Schmiedekohle findet sie in ganz Nordwestdeutschland weite Verbreitung. Fürst Ernst erkennt die wirtschaftliche Bedeutung dieses Bodenschatzes und bringt die Gruben in Schwung. Bis zur Stillegung 1960 ist Obernkirchen Verwaltungssitz der „Gesamtbergamtes“ und der Ort stark durch den Bergbau geprägt.  Die Kohle ist auch die Basis für den Aufstieg Obernkirchens zum industriellen Herzen Schaumburgs um die Jahrhundertwende. Die imposante Ruine der Brikettfabrik, das Portal des Lietstolln`s, die Festhalle der Bergleute auf der Lieth oder das Gebäude der Bergverwaltung sind bauliche Zeugnisse dieser Ära

Glashütte Schauenstein
SCHAUENSTEIN
heißt seit dem Jahre 1827 eine Obernkirchener Glasfabrik , die bereits 1799 am Lohplatz vor den Toren der Stadt angelegt wurde. Als letztes Glied in der Reihe der Wanderglashütten gelingt hier der Versuch mit dem neuen Energieträger Kohle, Glas zu schmelzen. Von nun an sind die Hütten ortsfest und auch die wanderlustigen Glasmacher, die Krumsieks, Kauffelds, Deppes oder Gundlachs, müssen ordentliche Bürger der Stadt Obernkirchen werden. Unter der Leitung der Unternehmerfamilie Heye wird die Glasfabrik der bis heute größte Arbeitgeber in der Stadt.
Eine zweite Glashütte am Ort, die Glasfabrik Stoevesandt, hat ihren Sitz vor längerer Zeit schon nach Rinteln verlegt


PREUSSISCHE ORDNUNG
kehrt nach 1865 in Obernkirchen ein. Als Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau entwickelte sich die Stadt in der Folgezeit zu einem beachtlichen Mittelzentrum. 1900 schloß die Rinteln-Stadthagener Eisenbahn die Stadt an das Schienennetz an. Bereits 1905 brachten die Bergwerksbetriebe den elektrischen Strom in die Stadt. Das Justizamt wurde zum Amtsgericht erhoben. Die Bergvorschule Obernkirchen, der Berg- und Hüttenschule Clausthal stand am Anfang so mancher bergmännische Karriere. Eine Landwirtschaftliche Frauenschule des Reifensteiner Verbandes zog ab 1901 Schülerinnen aus dem ganzen Reichsgebiet nach Obernkirchen

NACHKRIEGSGESCHICHTE
ist heute bereits die Eingliederung von zahllosen Heimatvertriebenen, besonders aus Schlesien, die Obernkirchens Einwohnerzahl nahezu verdoppelten. Erhebliche Anstrengungen im Wohnungsbau waren erforderlich um alle unterzubringen. Das starke Anwachsen der Bevölkerung machte Schulerweiterungs- und Neubauten erforderlich. Kanalisation, Straßennetz und zentrale Wasserversorgung wurden großzügig ausgebaut und weitere Baugebiete erschlossen. In den 50er Jahren war die Obernkirchener Märchensänger mit ihrem Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“ musikalische Botschafter in aller Welt. 1961 stellte das Gesamtbergamt seine Arbeit ein und damit endete auch in Obernkirchen eine über 500 jährige Bergbautradition

DIE GEBIETSREFORM 
gliederte 1974 die ehemals selbständigen Gemeinden Gelldorf, Vehlen, Krainhagen und Röhrkasten in die Stadt Obernkirchen ein. Bereits einige Jahre vorher waren die schaumburg-lippischen Dörfer Beeke und Rösehöfe eingemeindet worden.
Alle Dörfer blicken auf eine lange, eigene Geschichte zurück. Vehlen ist einer der ältesten Dörfer mit dem Gogericht und der alten Taufkirche am Helweg vor dem Sandforde (heute B 65). Gelldorf hat vor kurzem auf seine erste urkundliche Erwähnung vor 777 Jahren zurückgeblickt. Ebenso alt sind auch Krainhagen und das angrenzende Röhrkasten. Die bäuerlich strukturierten Dörfer hatten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts einen starken Anteil von Bergleuten in der Bevölkerung, die größtenteils Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben. In Krainhagen wohnten zahlreich Glasmacherfamilien